Iny Lorentz – Die Widerspenstige

Originaltitel: Die Widerspenstige

Meine Bewertung: 6,5/10

Wenn wir einen Iny Lorentz in der Hand halten wissen wir genau was wir lesen werden.

Jedes Mal schüchtert uns zunächst die beeindruckende Seitenzahl etwas ein bevor wir uns daran erinnern, dass der Schreibstil so locker und leicht ist, dass die Kapitel nur so vorbeifliegen, wie ein Film den wir am Ende eines langen Arbeitstages gerne im Fernsehen verfolgen. Wir bereiten uns also darauf vor uns in einen historischen Roman zu vertiefen, in dem sich die Handlung um eine unabhängige junge Frau dreht, die in einer Zeit lebt in der das einzige Recht einer Frau es war, eine gute Ehefrau zu sein.

Die Widerspenstige bildet hier keine Ausnahme.

Die Autoren bieten uns hier einen Roman an, der all unsere Erwartungen erfüllt, sich dabei aber ausreichend von den anderen Romanen abhebt, dass der Leser sich nicht langweilt. Wie eine Fernsehserie, bei der wir die achte Staffel ebenso gerne sehen wie die erste.

 

Der Plot:

Johanna von Allersheim und ihr Zwillingsbruder Karl sind erst siebzehn Jahre alt als der Tod ihres Vaters und die Intrigen ihrer Stiefmutter und ihres Halbbruders sie dazu zwingen ihr Haus, ihre Stadt und sogar ihr Land zu verlassen!

Um sich das Erbe und alle Ländereien ihres verstorbenen Ehemannes zu sichern, fälscht Genoveva von Allersheim mit der Hilfe ihres Cousins das Testament des Toten, wobei sie die Zwillinge nicht nur um ihr Erbe bringt sondern sie zudem noch in die Flucht treibt, die der einzige Ausweg bleibt um einer Zwangsehe oder einem Leben in einem strengen Kloster zu entkommen.

Die einzige Chance für die beiden besteht darin nach Polen zu reisen, wo sie auf die Hilfe von Familienmitglieder seitens ihrer Mutter zu hoffen.

Um ihre Flucht zu erleichtern beschließt Johanna, sich als Junge zu verkleiden, doch durch ein paar unglückliche Zufälle ist es ihr nicht möglich ihre Maskerade rechtzeitig aufzugeben und so findet sie sich inmitten von Soldaten und Husaren wieder die gegen die Osmanen kämpfen um Wien zu verteidigen.  Weiterlesen

Eden Lit

Kate Mosse – Die achte Karte

Originaltitel: Sepulchre

Meine Bewertung: 4/10

Eine Idee, die unsere Fantasie anregt:

Zwei Frauen sind über ein Jahrhundert hinweg miteinander verbunden: Die junge Leonie Vernier die am Ende des 19ten Jahrhunders mit ihrem Bruder Anatole Paris verlässt und weit entfernt, im Jahr 2007, die neugierige Meredith Martin.

Über ein Jahrhundert trennt die beiden Frauen und dennoch verbindet sie nicht nur ihr Blut sondern noch etwas weit Geheimnisvolleres, das die Form eines Tarot-Spiels annimmt, welches die Macht über Leben und Tod besäße und dessen Zeichnungen allein schon äußerst beunruhigend sind….

Oh, ich habe diesen Roman regelrecht an mich gerissen, in der Erwartung eines spannenden Abenteuers zwischen zwei Jahrhunderten!

 

Oje, was für eine Enttäuschung!   Weiterlesen

Barbara Woods / Eden LIt

Barbara Woods – Sturmjahre

Originaltitel: Domina

Meine Bewertung: 7/10

In „Sturmjahre“ folgen wir einer jungen leidenschaftlichen intelligenten, mutigen und entschlossenen Frau, die am Ende des 18ten Jahrhunderts für die Verwirklichung ihres Traums kämpft: Arzt werden.

 

Der Plot:

Samantha Hargrave wird in ein Jahrhundert geboren, das unabhängige und intelligente Frauen nicht akzeptiert, sie sogar fürchtet: Das 19te Jahrhundert.

Zu dieser Zeit ist die Medizin noch nicht sehr wissenschaftlich; Schröpfen gilt generell als das beste Heilmittel jeglicher Krankheiten. Doch dies wird sich bald ändern, denn das 19te Jahrhundert ist auch die Epoche der ausschlaggebendsten medizinischen Entdeckungen, die sich zunächst allerdings nur schwer durchsetzen da sie von den  Ärzten der alten Schule, die an ihren alten Methoden festhalten, geächtet und ignoriert werden.

Samantha ist die Tochter eines verbissenen Predigers. Sie wächst ohne ihre Mutter auf, die bei der Geburt verstorben ist. Ihre Kindheit ist einsam, sie verbringt diese ohne Unterstützung ihrer Familie bei Freunden, die sie in der Gosse kennengelernt hat.

Während dieser Kindheit erwacht ihre Leidenschaft: Sie wird Arzt werden.  Weiterlesen

Eden Lit

Iny Lorentz – Die Fürstin

Originaltitel: Die Fürstin

Meine Bewertung: 6/10

Dies ist der erste Roman der Autoren, den ich lese und der NICHT zu der Reihe der Wanderhure gehört – und ich wurde nicht enttäuscht. Auch hier treffen wir wieder auf denselben lockeren Schreibstil, und wieder lesen sich die 590 Seiten in einer Geschwindigkeit bei der sogar Usain Bolt erstaunt die Augenbrauen heben würde.

Sollten Sie die Reihe der „Wanderhure“ kennen und diese mögen, so zögern Sie nicht weiter, „Die Fürstin“ wird Ihnen sicher gefallen.

 

Der Plot:

In „die Fürstin“ treffen wir wieder auf die Welt, die wir von Iny Lorentz kennen. Wir schreiben das Jahr 1722 und lernen eine Familie kennen, die ihren Adelstitel wie auch ihre Träume von Reichtums und der adeligen Welt weiterpflegt auch wenn sie völlig verarmt ist … und auch noch das Unglück hatte, acht Töchter zur Welt zu bringen.

Für alle Töchter einen Ehemann zu finden und das ganz ohne Aussteuer, nur durch die adelige Linie des Hauses, das ist nicht einfach und so wird jeder Freier akzeptiert. Die einzige der Tochter, die dennoch keine Hoffnung auf einen zukünftigen Ehemann hat, ist Charlotte, denn durch ihre lange und schmale Statur entspricht sie bei weitem nicht dem damaligen Schönheitsideal und hat sich auch mit ihrem Schicksal abgefunden, wohl als alte Jungfer zu enden.   Weiterlesen

Jean-Michel Thibaux – La fille du templier

Originaltitel: La fille du templier

Meine Bewertung: 4,5/10

Bei diesem Roman habe ich gemischte Gefühle, ja ich fühle mich beinahe (beinahe) zerrissen. Er hat wirklich sehr positive Punkte.

Zum Beispiel vermag es der Autor durch kurze Szenen, die er zwischen die Zeilen schiebt, ein sehr lebhaftes Bild vor dem inneren Auge des Lesers zu schaffen, es fehlt sicher nicht an Aktion und der Schriftsteller beweist auch seine große Fantasie um seine Romanfiguren, seien sie real oder fiktiv, lebendig erscheinen zu lassen. Das Gesamtwerk profitiert auch von einem farbigen und aufgeweckten Schreibstil.

Doch dieser Roman hat zwei große Fehler! (die Spannung steigt, sie steigt und steigt – denn ich werde erst später mehr dazu sagen!)

 

Kommen wir zunächst zum Plot:

Ohne es zu wollen stoße ich hier jedoch schon auf die erste Schwierigkeit und stolpere über das Hindernis des ersten Fehlers: Der Plot, der rote Faden, ist beinahe unmöglich auszumachen, die Erzählungen und Geschehnisse der Romanfiguren überschneiden einander, einige davon sind packend, andere weniger.

Zwei Haupt-Handlungen sondern sich schließlich doch ab, die eine eher schmaler und diskreter (und doch ist es diese, die vom Bucheinband in den Vordergrund gedrängt wird), die andere ist spürbarer:   Weiterlesen

Dominique Marny – La Conquérante

Originaltitel: La Conquérante (noch nicht auf Deutsch erhältlich)

Meine Bewertung: 7,5/10

Dieser sehr ruhige Roman beschreibt das aufregende Leben der Judith Fontange.

Es handelt sich hier um einen ziemlich erstaunlichen Roman, denn der erste Eindruck den man gewinnt, ist der einer sehr großen Leichtigkeit. Man liest die Seiten wie man, seinerzeit, ein Enid Blyton Buch las: Die Romanheldin ist noch recht farblos, aber dennoch blättern sich die Seiten wie von alleine. Die Handlung wird ohne Hindernis abgespult. Und dann verwandelt sich der doch sanfte Roman in eine überzeugende Geschichte!

 

Der Plot

Wir befinden uns in Paris, in den swingenden 20er Jahren, der Waffenstillstand ist unterschrieben, die Männer werden abgezogen und kehren aus dem Krieg zurück. Als die junge Judit Fontange sich nun einem jungen Kriegshelden gegenüber sah, der sie heiraten wollte, den sie aber nicht liebte, hat sie Touraine verlassen um nach Paris zu kommen.

In ihren Koffern trägt sie ihre Jugendliebe zu einem anderen Kriegshelden mit sich: Eric Fournier, ein junger Mann den sie kennenlernte als sie noch ein kleines Mädchen war und dem sie, auch wenn sie es sich selbst nicht eingestehen möchte, an irgendeiner Straßenecke wieder begegnen möchte.

Aber es ist Antoine, der ihr über den Weg läuft. Ein junger, seriöser und angenehmer Mann der sie ermutigt, ihren Wunsch nach Unabhängigkeit zu verfolgen.   Weiterlesen

Ken Follett – Die Tore der Welt

Originaltitel: World Without End

Meine Bewertung: 8/10

Der „König“ hat wieder zugeschlagen, wenn Sie mir diesen abgedroschenen Ausdruck verzeihen, aber das kam mir als erstes in dem Sinn nachdem ich dieses Buch gelesen hatte.

„Die Säulen der Erde“, das unumgängliche Werk des Autoren, dieses Monument des historischen Romans hate mich fasziniert, aber es schien mir unmöglich einen „Folgeroman“ zu verfassen. Aber Ken Follet hat es gewagt!

Nein, natürlich ist dies keine „Fortsetzung“, die beiden Bücher sind vollkommen unabhängig voneinander, Sie können sie in der Reihenfolge oder gegen die Reihenfolge lesen, das wird nichts ändern, aber die Ähnlichkeit ist doch offensichtlich.

In „Die Säulen der Erde“ mussten die Romanhelden im VIIten Jahrhundert die Kathedrale von Kingsbridge erbauen, und das Detail mit dem dieser Epos verfasst wurde schien mir absolut umwerfend. Ja, „die Säulen der Erde“ sind für mich eine wirkliche 10/10 des Genre „historischer Roman“.

Ich kann jetzt nicht sagen, dass Ken Follet mit „Die Tore der Welt“ ein ebenso beeindruckendes Werk geschrieben hat denn das denke ich tatsächlich nicht. Aber er ist dennoch wieder in voller Stärke da und liefert hier ein wunderbares Buch welches sehr augenscheinlich nach demselben Modell geschnitzt wurde. Die Ähnlichkeit zwischen den beiden Romanen ist beinahe zu groß, denn die Helden und ihre Schicksale sind ähnlich derer der Erbauer der Kingsbridge Kathedrale. Aber das ist ja eigentlich auch nicht weiter schlimm, denke ich.   Weiterlesen

Henri Loevenbruck – L’Apothicaire

Originaltitel  L’Apothicaire

Meine Bewertung: 8/10

Dieser Roman – der leider noch nicht auf Deutsch erhältlich ist – überrascht uns mit einer wundervoll aufgebauten Handlung, die sorgfältig vorbereitet und entwickelt wurde und dem Leser unglaublich geschickt vorgelegt wird. Die Spannung und die teilweise überraschenden Enthüllungen erhöhen den Lesespaß Seite um Seite.

Der Plot alleine würde 10/10 verdienen, mit seiner steigenden Spannung die auch den widerstrebendsten Leser mitreißt.

Wenn nicht….. (dies ist ein wahrscheinlich vollkommen misslungener Versuch etwas Spannung in meinen Kommentar zu bringen)

 

Doch sprechen wir zunächst, wie üblich, über den PLOT

Dieses Element des Romans hat mich einfach überzeugt! Die Grundidee, der Ausganspunkt, ist clever und die Art und Weise wie der Apotheker dem Weg folgt kann fast meisterhaft genannt werden.

Wir lernen Anrdeas Saint-Loup, den Apotheker, ihn in Paris kennen. Wir schreiben dass Jahr 1313. Er ist ein Mann von festem Charakter, der sich für die Wissenschaft und die Forschung begeistert. Seine Neugier verführt ihn immer wieder zu für seine Zeit fast blasphemischen Handlungsweisen, sein Glaube ist inexistent obwohl er in einer Klostergemeinschaft aufgewachsen ist, vor deren Türen man ihn als Säugling abgelegt hatte.

Die damalige Zeit war unruhig, die Inquisition terrorisiert so manch einen Mann, die politischen Intrigen zerreißen das Land. Doch dies ist dem Apotheker gleichgültig, er lebt sein Leben als Wissenschaftler in seiner kleinen Apotheke in Paris, wo er darauf hofft das zu entdecken, was nun im Herzen der Materie verborgen liegt.

Doch eines Tages, im Januar, wird ein erstaunliches Ereignis seine Überzeugungen ins wanken bringen: Inmitten seines Hauses scheint ein Raum sich plötzlich seiner Wahrnehmung zu stellen, ein leerer Raum, ein Raum den er niemals bemerkt hat und der dennoch immer existiert hat, ein Raum den er vergessen hatte. Diese Tatsache ist umso bemerkenswerter, da weder seine Angestellten noch er selbst irgendeine Erinnerung an diesen Raum haben –obwohl alle sich darüber bewusst sind, das es diesen schon immer gegeben hat. Wie ist es möglich, dass ein Raum, an dem man jeden Tag vorrübergeht, einfach vergessen wird? Wie kann dieses Zimmer so sauber sein wenn doch niemand jemals darin Staub wischt?    Weiterlesen

Vilhelm Moberg – Der letzte Brief nach Schweden (Teil 2)

Originaltitel: Sista brevet till Sverige

Meine Bewertung: Diese Sage verdient, unabhängig von den einzelnen Bänden, eine 10/10

Mit diesem letzten Teil kommt „der Roman von den Auswanderern“ zu einem Ende.

Es ist ein ergreifender Band, unglaublich menschlich und erschütternd, ein grandioses Finale.

Kein Drama wird den Einwanderern erspart und alle dennoch folgen alle weiter dem Weg, den sie sich im Laufe der Saga vorgezeichnet haben. Doch das Ende ist ganz anders, als man erwartet.

Wenn Sie einen letzten Teil erwarten, der den Roman friedlich auslaufen lässt, da muss ich Sie enttäuschen, das ist nicht der Fall.

Dieser letzte Teil ist voller neuer Ereignisse, voller Leben aber ebenfalls voller Tragödien.

Hier wird uns vor allem von dem schrecklichen Aufstand der Indianer im Jahr 1862 berichtet, dem Massaker von tausenden von Pionieren, die blutige Rache eines enteigneten und ausgehungerten Volkes.

Die Pioniere leben in Todesangst und bereiten Verteidigungsmaßnahmen vor um ihre Länder und Familien zu schützen.

Währenddessen beobachtet der geheimnisvolle in den Felsen gemeißelte Indianerkopf, der den See überblickt weiterhin die Siedler und scheint an dem Leben seines Volkes und dem der Neuankömmlinge teilzuhaben.

Im Laufe dieses letzten Teils erleben wir, wie die neue Generation die Leitung übernimmt und die ersten Siedler überstimmen, wir wohnen einer tiefgründigen Veränderung im Leben am Rande des Chisago Lake bei, dem See, den man einmal den Ki-Chi-Saga nannte. Das „neue Duvemala“ wird nun das „Nelson Settlement“.   Weiterlesen

Vilhelm Moberg – Der letzte Brief nach Schweden (Teil 1)

Originaltitel: Sista brevet till Sverige

Meine Bewertung: Diese Sage verdient, unabhängig von den einzelnen Bänden, eine 10/10

Mit diesem Buch kehren wir zu Karl Oskar und Kristina zurück.

Jetzt, da sie in einer wirklichen Gemeinschaft leben, öffnen sich die Pioniere den Dingen, die sie umgeben, sie interessieren sich für die Probleme des Landes und merken, dass ihre Freiheiten mit Pflichten einhergehen. Durch die Augen unserer schwedischen Auswanderer beobachten wir wie Amerika sich verändert denn dank der Zeitung „Der Pionier“, der sie informiert, reicht deren Blick nun weiter als Stillwater und erreicht ganz Nordamerika.

Zum ersten Mal in ihrem Leben nehmen die Einwanderer durch eine Wahl an der Bestimmung der Regierungsbesetzung teil.

Die Währungskrise, die durch die steigende Verbreitung von Banknoten ohne Wert ausgelöst wurde, trifft einen großen Teil der Pioniere.

Der Zivilkrieg bricht zwischen Nord und Sud aus. Die schwedische Gemeinde des Ki-Chi-Saga, den man fortan den Chisago-Lake nennt (ein Name den er noch heute trägt) ist nicht wirklich von diesem Konflikt betroffen, da sie so weit ab von allem leben, am anderen Ende von Minnesota. Doch der Aufruf Abraham Lincolns den nördlichen Truppen beizutreten kommt dennoch bei ihnen an und rüttelt ihr Gewissen auf.

Als Karl Oskar, der ein großer Patriot ist, den Aufruf seines Präsidenten hört möchte der Armee des Nordens beitreten, während Kristina, die immer müder und ausgelaugter ist, möchte, dass ihr Mann bei ihr und ihren Kindern bleibt. Aber wie kann man einem Mann, der so stur wie Karl Oskar ist, widersprechen?   Weiterlesen