Der Roman von den Auswanderern (Vilhelm Moberg) – Eine kleine Einführung

Eine ganze Rubrik nur für eine einzige Saga! Ja, wirklich. Ich hatte zunächst an einen einzigen Artikel gedacht, aber der wäre dann doch zu lang und ich habe also diese Idee schnell aufgegeben und mich für eine Einleitung entschlossen, die einen ersten Eindruck gibt und auf welche dann die Kommentaren zu den einzelnen Büchern folgt.

Das erschien mir einfach praktischer und übersichtlicher, und das ermöglicht dem Leser erst einmal einen Gesamteindruck zu bekommen und dann eventuell einen Einblick in einzelne Bände zu gewinnen – oder auch sich noch einmal ins Gedächtnis zu rufen was im vorherigen Buch geschah, wenn er eine Pause eingelegt hatte.

Bevor ich Ihnen nun diese Saga kurz vorstelle, möchte ich etwas Wesentliches vorausschicken: Es handelt sich um eine fantastische Saga mit einem unglaublichen Ende, ein absolutes MUST READ bis zur letzten Zeile.

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Vilhelm Moberg – Die Auswanderer (Teil 1)

Originaltitel: Utvandrarna

Bewertung: Diese Reihe bewerte ich insgesamt mit einer 10, unabhängig von den einzelnen Bänden

 

In diesem ersten Teil  lernen wir die Familien der zukünftigen Auswanderer kennen sowie auch die Gründe ihrer Reise.

Diese Buch ist ein sehr gekonnter Prolog. Durch die jeweiligen Geschichten lernen wir unsere zukünftigen Freunde kennen, und das vor ihrem grossen Abenteuer, in einem Moment in dem sie noch durch ihre Erziehung, ihr Leben unter dem Joch des schwedischen Königs und der evangelisch-lutherischen Religion, die dieser ihnen vom Klerus aufgezwungen wird geprägt sind. Sie wissen noch nicht was Freiheit ist, sei es nun Rede- oder Gedankenfreiheit.

Diese Männer und Frauen kämpfen sich durch das harte und kalte Leben in der Kirchengemeinde von Ljuder im Smâland. Das Leben ist hier karg und schwer, das eigentliche Überleben nicht gewiss, schreckliche Tragödien treffen die Familen, die Hungersnot droht jeden Moment einzubrechen.

Die Zukunft ist so ungewiss, dass im Jahr 1849 eine kleine Gruppe der Kirchengemeinde von Ljuder beschließen, im Frühjahr 1850 eine gefährliche Reise ins Ungewisse anzutreten. Sie sind alle in dieser Gemeinde geboren, sie kennen nur diese Landschaft, diese Sprache, diese Lebensweise. Dennoch werden sie dieses Abenteuer wagen und die ersten Emigranten ihrer Gemeinde sein.

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Vilhelm Moberg – Die Auswanderer (Teil 2)

Originaltitel: Utvandrarna

Meine Bewertung: Diese Saga bewerte ich INSGESAMT mit einer 10/10

Der französische Titel („La traversée„, d.h. « die Überfahrt ») verrät uns schon worum es sich hier handelt: Dieser zweite Teil (des ersten Bandes) beschreibt die Überfahrt des Ozeans. Alle unsere Farmer, Männer, Frauen und Kinder, die zuvor niemals das Festland verlassen hatten, gehen nun an Bord der « Charlotta » um in einer sechswöchigen Reise dieses Hindernis zu überqueren. Doch durch ungünstige Gegenwinde braucht das Schiff sehr viel länger für diese Reise, was die Überfahrt für all diese Männer und Frauen vom Land noch härter macht.

Das Leben an Bord ist nicht einfach. Das Boot ist kleiner als die Auswanderer dachten und ebenfalls sehr viel voller als sie es erhofft hatten. Die Bedingungen für die Überfahrt sind also sehr schwierig.

Das Leben auf so beengtem Raum macht alle nervös, das Zwischendeck, in dem sich die Schlafkabinen befinden, ist erstickend, die Emigranten haben keinerlei Intimität. Dazu kommt noch der Dreck, die Krankheiten, die stickige Luft, die Seekrankheit, das Leben mit vollkommen fremden Menschen – all dies macht die Reise sehr hart und riskant.

Unterwegs, wahrscheinlich auch durch diese extremen Bedingungen, haben wir so die Gelegenheit den wirklichen Charakter der Reisenden zu erkennen, deren Nerven bis auf die letzte Faser geprüft werden.  Weiterlesen

Vilhelm Moberg – In der neuen Welt (Teil 1)

 

Originaltitel: Invandrarna

Meine Bewertung: Diese Saga bewerte ich INSGESAMT mit einer 10/10

In diesem dritten Teil (zweites Buch) erreicht unsere kleine Gruppe, nach einer scheinbar unendlichen Überfahrt, New York.

Hier schließt sich Fina-Kaja nun endgültig der kleinen Gruppe an. Ihr Mann hat die Überfahrt und das erste Unwetter nicht überlebt. Das ältere Ehepaar wollte zu seinem Sohn Anders nach Amerika, denn der hat in Minnesota eine große Farm aufgebaut.

Es war im Übrigen als er Fina-Kajsa hörte, wie sie von der wertvollen und fruchtbaren Erde in der Gegend oberhalb des Mississipi berichtete, in diesem so weit entfernten Gebiet, dass Karl Oskar beschloss nach Minnesota zu reisen – und die ganze Gruppe folgt ihm nun dorthin.

Die Reise wird also fortgesetzt. Obwohl die Auswanderer den Ozean überquert haben und nun „Einwanderer“ sind, sind sie noch weit weg von ihrem Ziel. Sie hätten es sich nie denken können, dass Amerika so weit und groß ist, und dass ihre zukünftigen Farmen so weit entfernt liegen. Aber nun muss es weitergehen.

Die Ankunft in der Neuen Welt ist nicht leicht: Keiner von ihnen spricht die Sprache ihrer neuen Wahlheimat, nicht einmal Robert, obwohl er Stunden damit verbracht hat sie zu erlernen um mit den Amerikanern sprechen zu können, und auch Danjel nicht, denn der heilige Geist ist nicht auf ihn herabgekommen, um ihm die Gabe diese Sprache zu beherrschen zu verleihen.  Weiterlesen

Vilhelm Moberg – In der neuen Welt (Teil 2)

Originaltitel: Invandrarna

Meine Bewertung: Diese Saga bewerte ich INSGESAMT mit einer 10/10

In diesem Teil der Saga erreicht die schwedische Gruppe nun Taylor falls.

Taylor Falls ist eine kleine, nein, eine winzige Gruppierung von Auswanderern, unter denen sich Anders befindet, der Sohn von Fina-Kajsa. Diese Erkenntnis ist für die alte Frau ernüchternd, denn sie hatte eine weites Gut erwartet: Die Farm ihres Sohnes gleicht nicht im Geringsten einer solchen.

Anders ist kein fleißiger Mann, und, anders als er es in seinen Briefen beschrieb, hat er seinen Besitz nicht erblühen lassen und ist weit davon entfernt der Besitzer eines großen Hofes zu sein, welcher in Wirklichkeit nichts anderes als eine kleine Hütte ist.

Seine Mutter hat mit dieser Enttäuschung zu kämpfen und Schwierigkeiten, die Realität zu akzeptieren, doch sie hat keine andere Wahl.

Die Einwanderer erfahren hier, dass sie aus die Möglichkeit haben, aus einer besonderen Regelung Nutzen zu ziehen: Sie können squatter werden. Dafür müssen sie einen claim auf 130 Hektar Land erheben, die sie dann roden und bepflanzen können und wenn dieses Land dann zum Verkauf steht haben sie Vorrang. Was bedeutet, dass sie die Möglichkeit haben, ihr Land erst einige Jahre später zu zahlen! Das wird den einen und anderen genügend Zeit lassen sich niederzulassen und ausreichend Geld zu verdienen, kurz, sich sofort ein zu Hause zu schaffen und wirklich, ohne zu starken Druck, von ihrer Arbeit zu leben.  Weiterlesen

Vilhelm Moberg – Die Siedler (Buch 3, Teil1)

Originaltitel: Nybyggarna

Meine Bewertung: Diese Saga verdient als Gesamtwerk, unabhängig der einzelnen Bände, eine 10/10

Dieses dritte Buch beginnt im Jahr 1983, drei Jahre nachdem sich die Pioniere angesiedelt haben.

Karl Oskar und Kristina kämpfen immer noch mit ihren finanziellen Schwierigkeiten, doch langsam verbessert sich ihr Leben. Sie besitzen nun einige Tiere, die Ernten sind gut, die Zukunft scheint sonnig auch wenn ihre Lebensbedingungen noch immer genauso hart sind.

Doch das Heimweh quält Kristina. Die Vorstellung, dass sie ihre Eltern und ihr Land nie wieder sehen soll verletzt sie tief.

Dazu kommt, dass es hier keine Kirche gibt. Die Pioniere haben seit drei Jahren ihre Heimat verlassen und seitdem hat Kristina keine Gelegenheit gehabt die heilige Kommunion zu empfangen. Für die so fromme Frau ist es sehr schwer, das Gewicht ihrer Sünden zu tragen.

Aber Gott schickt ihr einen Priester! Pastor Törner, kann nur vom Herrn selbst gesendet worden sein.

Er ist nicht der einzige, der ankommt, denn immer mehr schwedische Auswanderer erreichen den Ki-Chi-Saga, der sich zur großen Freude Kristinas, die sehr unter der Einsamkeit leidet, nun endlich bevölkert.

Karl Oskar merkt nichts von den Sorgen seiner Frau. Er arbeitet hart und hat große Pläne. Er beginnt mit dem Bau eines echten Hauses, welches die Familie wirklich vor de Kälte schützt.

Und die Kinder wachsen heran.

Die Charakter der verschiedenen Pioniere haben sich nun gezeigt. Kristina ist selbstsicherer geworden, Karl Oskar freut sich über die ersten Früchte seiner Mühe, auch wenn er noch weit davon entfernt ist, wohlhabend zu sein.   Weiterlesen

Vilhelm Moberg – Die Siedler (Buch 3, Teil 2)

Originaltitel: Nybyggarna

Meine Bewertung: Diese Saga verdient als Gesamtwerk, unabhängig der einzelnen Bände, eine 10/10

Stimmungswechsel in diesem Teil der Saga.

Dieses Kapitel ist düsterer, aussichtsloser.

Robert ist zurück. Er hat die Seinen vor vier Jahren in Begleitung seines besten Freundes Arvid verlassen um Gold zu suchen. Er kehrt alleine heim und teilt ihnen mit, dass Arvid dort geblieben ist.

Er kehrt mit den Taschen voller Geld zurück und gibt seinem Bruder Karl Oskar noch am selben Abend viertausend Dollar!

Doch Robert ist nicht mehr derselbe. Als er ging, war er ein junger, verträumter Mann, unverbraucht, und träumte von Freiheit und einem leichten Leben. Der Mann der zurückkehrt ist fast ein alter Mann, krank, mit einer gelblichen Hautfarbe, dürr, ein Mann der seine Zähne verloren hat und unter einem hartnäckigen Husten leidet und dessen Ohr immer schmerzt.

Nach vier Jahren auf dem California Trail scheint er nun viel bejahrter als Karl Oskar zu sein, obwohl dieser zehn Jahre älter ist.

Robert hat sich nicht nur körperlich verändert. Er scheint apathisch und niedergeschlagen. Seine allgemeine Desillusionierung zeigt sich in jedem seiner rätselhaften Sätze aber auch in seinem Schweigen; er spricht nicht über seine Abenteuer, obwohl diese ja offensichtlich erfolgreich waren, denn er kehrt als reicher Mann zurück. Wenn er auch an Reichtum gewonnen hat, so hat er etwas anderes auf seiner Reise verloren; er kehrt zwar mit Taschen voller Dollar zurück, doch er selbst scheint von einer so schweren Last erdrückt zu werden, dass er darüber seine Jugend verloren hat.   Weiterlesen

Vilhelm Moberg – Der letzte Brief nach Schweden (Teil 1)

Originaltitel: Sista brevet till Sverige

Meine Bewertung: Diese Sage verdient, unabhängig von den einzelnen Bänden, eine 10/10

Mit diesem Buch kehren wir zu Karl Oskar und Kristina zurück.

Jetzt, da sie in einer wirklichen Gemeinschaft leben, öffnen sich die Pioniere den Dingen, die sie umgeben, sie interessieren sich für die Probleme des Landes und merken, dass ihre Freiheiten mit Pflichten einhergehen. Durch die Augen unserer schwedischen Auswanderer beobachten wir wie Amerika sich verändert denn dank der Zeitung „Der Pionier“, der sie informiert, reicht deren Blick nun weiter als Stillwater und erreicht ganz Nordamerika.

Zum ersten Mal in ihrem Leben nehmen die Einwanderer durch eine Wahl an der Bestimmung der Regierungsbesetzung teil.

Die Währungskrise, die durch die steigende Verbreitung von Banknoten ohne Wert ausgelöst wurde, trifft einen großen Teil der Pioniere.

Der Zivilkrieg bricht zwischen Nord und Sud aus. Die schwedische Gemeinde des Ki-Chi-Saga, den man fortan den Chisago-Lake nennt (ein Name den er noch heute trägt) ist nicht wirklich von diesem Konflikt betroffen, da sie so weit ab von allem leben, am anderen Ende von Minnesota. Doch der Aufruf Abraham Lincolns den nördlichen Truppen beizutreten kommt dennoch bei ihnen an und rüttelt ihr Gewissen auf.

Als Karl Oskar, der ein großer Patriot ist, den Aufruf seines Präsidenten hört möchte der Armee des Nordens beitreten, während Kristina, die immer müder und ausgelaugter ist, möchte, dass ihr Mann bei ihr und ihren Kindern bleibt. Aber wie kann man einem Mann, der so stur wie Karl Oskar ist, widersprechen?   Weiterlesen

Vilhelm Moberg – Der letzte Brief nach Schweden (Teil 2)

Originaltitel: Sista brevet till Sverige

Meine Bewertung: Diese Sage verdient, unabhängig von den einzelnen Bänden, eine 10/10

Mit diesem letzten Teil kommt „der Roman von den Auswanderern“ zu einem Ende.

Es ist ein ergreifender Band, unglaublich menschlich und erschütternd, ein grandioses Finale.

Kein Drama wird den Einwanderern erspart und alle dennoch folgen alle weiter dem Weg, den sie sich im Laufe der Saga vorgezeichnet haben. Doch das Ende ist ganz anders, als man erwartet.

Wenn Sie einen letzten Teil erwarten, der den Roman friedlich auslaufen lässt, da muss ich Sie enttäuschen, das ist nicht der Fall.

Dieser letzte Teil ist voller neuer Ereignisse, voller Leben aber ebenfalls voller Tragödien.

Hier wird uns vor allem von dem schrecklichen Aufstand der Indianer im Jahr 1862 berichtet, dem Massaker von tausenden von Pionieren, die blutige Rache eines enteigneten und ausgehungerten Volkes.

Die Pioniere leben in Todesangst und bereiten Verteidigungsmaßnahmen vor um ihre Länder und Familien zu schützen.

Währenddessen beobachtet der geheimnisvolle in den Felsen gemeißelte Indianerkopf, der den See überblickt weiterhin die Siedler und scheint an dem Leben seines Volkes und dem der Neuankömmlinge teilzuhaben.

Im Laufe dieses letzten Teils erleben wir, wie die neue Generation die Leitung übernimmt und die ersten Siedler überstimmen, wir wohnen einer tiefgründigen Veränderung im Leben am Rande des Chisago Lake bei, dem See, den man einmal den Ki-Chi-Saga nannte. Das „neue Duvemala“ wird nun das „Nelson Settlement“.   Weiterlesen