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Natacha Calestrémé – Les racines du sang

Originaltitel: Les racines du sang (noch nicht auf Deutsch erhältlich)

Meine Bewertung: 6,5/10

 

« Les racines du sang » ist der dritte Fall mit Yoann Clivel – aber man kann ohne Schwierigkeiten, wie ich, mit diesem Band in die Reihe einsteigen, denn der Romanheld wird geschickt vorgestellt und so können wir diese Romanfigur, die das Buch trägt, auch hier kennenlernen.

Der Plot selbst wird gut eingeleitet. Es handelt sich hier um einen eher gelungenen Kriminalroman (aber nicht um einen Thriller, und schon gar nicht um einen Psycho-Thriller) der von der ersten Seite an mitreißt, uns jedoch nach der letzten keine unvergessliche Erinnerung lässt.

 

Der Plot:

Yoann Clivel wird zu einem schrecklichen Tatort gerufen: Ein Mann wird tot in einem öffentlichen Parkhaus aufgefunden. Die Todesursache ist ein direkter Stich mit einem scharfen Gegenstand der die Karotide durchtrennt hat, so dass er innerhalb von zwei Minuten verblutet ist. In der Wunde entdecken die Polizisten eine Blume.

Clivel erkennt den Zusammenhang zu ähnlichen Morden, kann aber keine Verbindung zwischen den Opfern herstellen. 

Diese Morde sind beunruhigend. Yoann Clivel befürchtet, dass diese Untersuchung einem anderen Team der Kriminalpolizei anvertraut wird und bemüht sich als Erster den Fall zu lösen. Diese Bemühungen bringen ihn sehr weit, wortwörtlich, denn er wird in Afrika selbst dem Unvorstellbaren gegenübergestellt.

 

Meine Bewertung:

Es handelt sich hier um einen Kriminalroman, der gut eingefädelt wird, mit einem emblematischen Mord der eine klare Signatur trägt.

Der Romanheld, Yoann Clivel, überzeugt den Leser leicht, auch wenn man ihn erst in diesem dritten Buch kennenlernt.

Dieser Krimi wird von seinem Helden getragen, der sehr gelungen ist.

Die Autorin besitzt das Talent ihre Romanfiguren zu beschreiben ohne dass dies auffällt, durch ihre Gedanken und Taten. Vor unserem Auge entsteht das Bild eines Mannes der erkennt, dass sein Bauchgefühl weit mehr ist als nur das und dass er lernen muss dieser Intuition zu folgen, auch wenn ihn das beängstigt, und auch wenn dies beinahe übernatürlich erscheint.

Ein Hauch übernatürlich, oder eher außersinnlich, findet sich tatsächlich in den Seiten dieses Buchs wieder, aber es ist nicht störend. Dem Sohn der Freundin des Helden zu begegnen der die Gabe zu besitzen scheint Dinge zu wissen die er nicht kennen kann und dieses selbe Talent bei Clivel wiederzufinden ist nicht schleicht vorgestellt und die Autorin besteht auch nicht unnötig auf diesem Aspekt sondern führt ihn nur durch simple Anmerkungen in die Handlung ein.

Man kann sich hier leicht vorstellen, dass diese Seite in den folgenden Romanen weiter aufgebaut wird.

Die Romanfigur des autistischen Jungen erschien mir ein wenig zu klischeehaft, aber sie stört nicht weiter. Das ist im Moment wohl die Mode, einen Autisten, mit oder hohem Potential, in den Plot einzubauen, besonders in den Kriminalromanen. Oftmals ist das Ergebnis recht stereotypisch, wie hier. Aber man erkennt, das sich Natacha Calestrémé mit der Frage des Autismus befasst hat, wenn man auch keine tiefe Kenntnis vorfindet; hier kann ich mich selbstverständlich irren, denn ich habe den Band der diesen Jungen vorstellt nicht gelesen der hier sehr viel realistischer beschrieben sein kann. Aber das Bild das uns vorgestellt wird ist positiv, das ist die Mode, also warum nicht? (ich bestehe ein wenig auf diese Frage der Störungen des autistischen Spektrums da diese ein Teil meines Alltags bilden).

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm, einfach und direkt. Die Romanfiguren sind ansprechend und gut durchdacht. Nichts scheint dem Zufall überlassen, oder eben gerade was notwendig ist.

Wir verfolgen die Ermittlungen ohne Schwierigkeiten, reisen nach Afrika um dort den Hintergrund dieses Falles zu verstehen.

Es handelt sich also um einen netten Kriminalroman.

Er wird mir keine unvergessliche Erinnerung hinterlassen, aber er hat mir gefallen und ich denke ich werde das nächste Buch der Autorin lesen, schon alleine um zu sehen wie Yoann Clivel sich weiterentwickelt.

 

Was mich an diesem Roman en wenig gestört hat, das ist die Ansammlung von Elementen die gerade „in Mode“ sind: Ich habe hier bereits den autistischen Jungen und den außersinnlichen Aspekt erwähnt (wobei letzterer sehr subtil ist), aber es ist auch das eigentliche Thema (zu dem ich nichts sagen kann da ich hier keinen Spoiler veröffentlichen möchte) – auch dieses ist „in Mode“ ja sogar beinahe schon überholt. Dann haben wir die Reise nach Afrika, was wir dort vorfinden – „in Mode“.

Vielleicht ist das ein wenig zu viel. Hier hat man den Eindruck dass es sich um eine „moderne Mischung“ handeln soll.

Mit weniger solcher Elemente hätte dieser Roman an Tiefe und Glaubhaftigkeit gewonnen und wäre weniger vergänglich erschienen.

 

Jetzt noch zu einem letzten Punkt, der nicht direkt in Zusammenhang mit dem Roman steht:

Es handelt sich hier NICHT um einen psychologischen Thriller:

Das Buch wird uns auf seinem Cover als „psychologischer Thriller“ vorgestellt… was er AUF GAR KEINEN FALL ist.

Hier können Sie sich gerne meine Rubrik „Der Kriminalroman und der Thriller“. durchlesen, die Ihnen den Unterschied zwischen diesen beiden Genres vorstellt.

In „Les racines du sang“ finden wir keinerlei Element eines Thrillers. Ja, natürlich ist das Buch spannend, wie jedes Buch, aber das Ziel des Buches ist hier ausschließlich die Enthüllung des Mörders und seines Motivs – während ein Thriller sich zuspitzen würde um eine letzte Konfrontation vorzubereiten oder auch eine furchtbare Bedrohung abzuwenden (ich fasse hier unglaublich zusammen); dies ist hier offensichtlich nicht der Fall.

Es ist schon kein Thriller, aber ein „Psycho-Thriller“ ist es schon gar nicht!

Ich habe meine Definition des „Psycho-Thrillers“ noch nicht auf diesem Blog veröffentlicht (was aber kurz bevorsteht). Grob gesagt währe der Psycho-Thriller ein Thriller, der sich auf ein mentales und emotionales Element stützt um die Spannung und das Angstgefühl zu steigern. Dies könnte zum Beispiel die In-Szene-Setzung eines Psychopathen sein (wie zum Beispiel in „Der Augensammler“ von Sebastian fitzek http://www.edenlit.reviews/sebastian-fitzek-der-augensammler/ ) oder auch ein Opfer, das unter Halluzinationen leidet – oder eben nicht – (wie zum Beispiel in „Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir“ von Karine Giebel).

Kurz, alles was „les racines du sang“ nicht hat.

Dies ist keine Kritik an dem Roman selbst sondern an seiner Präsentation, die den Leser in die Irre leitet.

Es handelt sich hier um einen netten Kriminalroman mehr in der Welt der Kriminalromane.

 

 

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