Vilhelm Moberg – Der letzte Brief nach Schweden (Teil 2)

Originaltitel: Sista brevet till Sverige

Meine Bewertung: Diese Sage verdient, unabhängig von den einzelnen Bänden, eine 10/10

Mit diesem letzten Teil kommt „der Roman von den Auswanderern“ zu einem Ende.

Es ist ein ergreifender Band, unglaublich menschlich und erschütternd, ein grandioses Finale.

Kein Drama wird den Einwanderern erspart und alle dennoch folgen alle weiter dem Weg, den sie sich im Laufe der Saga vorgezeichnet haben. Doch das Ende ist ganz anders, als man erwartet.

Wenn Sie einen letzten Teil erwarten, der den Roman friedlich auslaufen lässt, da muss ich Sie enttäuschen, das ist nicht der Fall.

Dieser letzte Teil ist voller neuer Ereignisse, voller Leben aber ebenfalls voller Tragödien.

Hier wird uns vor allem von dem schrecklichen Aufstand der Indianer im Jahr 1862 berichtet, dem Massaker von tausenden von Pionieren, die blutige Rache eines enteigneten und ausgehungerten Volkes.

Die Pioniere leben in Todesangst und bereiten Verteidigungsmaßnahmen vor um ihre Länder und Familien zu schützen.

Währenddessen beobachtet der geheimnisvolle in den Felsen gemeißelte Indianerkopf, der den See überblickt weiterhin die Siedler und scheint an dem Leben seines Volkes und dem der Neuankömmlinge teilzuhaben.

Im Laufe dieses letzten Teils erleben wir, wie die neue Generation die Leitung übernimmt und die ersten Siedler überstimmen, wir wohnen einer tiefgründigen Veränderung im Leben am Rande des Chisago Lake bei, dem See, den man einmal den Ki-Chi-Saga nannte. Das „neue Duvemala“ wird nun das „Nelson Settlement“.  

Die Kinder sind nun erwachsene Amerikaner und leben ihr Leben. Sie schwedischen Pioniere sind nun die „Alten“.

Unsere Freunde, deren Weg wir geteilt haben, können nicht anders als weiter ihrem Weg folgen, weiter ihren Pfad zu suchen ohne zu versuchen die neue Generation zu beeinflussen, die sich darauf vorbereitet ihren Platz einzunehmen.

Einige wachsen weit über ihre Träume hinaus, wie Ulrika, die eine der reichsten und angesehensten Frauen von Stillwater geworden ist, andere dagegen fassen nie Fuss, wie Anders, der nach und nach im Alkohol versinkt.

Doch alle halten ihre Vergangenheit im Herzen, keiner von ihnen vermag es seine Wurzeln, seine Wunden, seine Träume zu verwerfen.

Und es ist erst jetzt, in diesem letzten Teil des letzten Buches, in dem wir erkennen dass die Helden dieser Saga, Karl Oskar und Kristina, eine untrennbare Einheit bildeten, wir begreifen erst jetzt, in den letzten Zeilen, die Tiefe ihrer Gefühle und wie sehr der eine den anderen brauchte.

Und wir verstehen auch erst jetzt, durch diesen letzten Teil des letzten Buches, dass ihr Leben, welches uns so intensiv, so reich, so heldenhaft erschien, nur eines unter Millionen war, ein Schicksal das im Meer der Generationen versinken wird.

Dieser Roman erinnert uns auch daran dass unsere Kindheit, unsere Wurzeln immer tief in uns verankert bleiben, egal wohin wir auch gehen, egal wie weit wir uns entfernen, und auch wieviel Zeit wir in der Ferne verbringen.

Wir können versuchen, dies zu bestreiten, wie Karl Oskar es tut, oder es zugeben, wie Kristina. Tatsache ist, dass die beiden werden immer Karl Oskar und Kristina aus der Kirchengemeinde Ljuder bleiben.

Ihr Leben war das von einfachen Männern und Frauen, die sich ihm mit Mut entgegengestellt haben, und die es gewagt haben vorwärts zu gehen. Sie haben Städte gegründet, Gebiete bevölkert, das die Erde bewirtschaftet.

Diese einfachen Männer und Frauen, diese mutigen Farmer und Arbeiter, haben die Kolonisation ferner Gebiete ermöglicht, dort hinten, in Minnesota.

Aber sie sind nur ein Teil einer riesigen Masse. Ihr Schicksal scheint einzigartig, ist es aber nicht.

Sie sind es nicht, die ihren Namen in der Geschichte hinterlassen haben, obwohl sie es waren, die diese geschrieben haben.

Sie haben es natürlich gemerkt, dieser letzte Teil hat etwas verändert. Nachdem man ihn gelesen hat, sieht man die gesamte Saga der Auswanderer unter einem anderen Licht.

Wir haben so viel gemeinsam mit den Siedlern erlebt, wir sind ihnen Schritt für Schritt gefolgt, haben mit ihnen gelitten und die Hindernisse bezwungen, wir haben uns mit ihnen über ihre Erfolge gefreut. Und dennoch begreifen wir erst mit diesem letzten Buch, was wir da gelesen haben.

Die Geschichte eines Lebens, die Geschichte zweier Leben, die eng miteinander verknüpft sind. Die Geschichte eines einzigartigen Schicksals, verloren im Meer von Millionen anderer. Und dennoch ein Schicksal, an welches wir uns erinnern sollten, eines das zählt, ein zugleich grandioses und tragisches Schicksal.

Ein großartiges Finale.

Obwohl wir ja eigentlich schon zu Beginn unserer Lektüre wissen, wie dieser Roman endet schafft es Vilhelm Moberg uns dennoch mit seiner Geschichte zu überraschen, und das bis zum Ende.

Als ich den letzten Teil beendet hatte sagte ich mir dann schon „endlich“ kommt der Roman zu einem Ende und fühlte eine gewisse Erleichterung als ich die letzten Kapitel begann.

 

Doch weit davon entfernt sich im Sand zu verlaufen liefert uns dieser letzte Teil der Reise noch so viele Ereignisse, wir erleben noch solch tragische Momente dass ich ganz klar sagen muss, in meinen Augen ist dieser letzte Teil der beste der gesamten Reihe.

Zu so einem unglaublichen Ergebnis kommen ist wirklich beeindruckend! Ich habe die Gruppe der Schweden verfolgt, und insbesondere dieses Paar, als sei es mein eigenes Leben. Und dennoch habe ich nicht vor den letzten Seiten begriffen, was ich vor Augen hatte.

Eine wundervolle Geschichte, die ein großartiges Ende findet. Ich denke, dass sich „der Roman von den Auswanderern“ dank diesem letzten Buch in mein Gedächtnis geprägt hat und ich es so nie vergessen werde.

 

Es handelt sich also tatsächlich um eine fantastische Saga mit einem unglaublichen Ende, ein absolutes MUST READ bis zur letzten Zeile.

 

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