René Barjavel – Die Fremde aus dem Eis

Originaltitel: La nuit des temps

Meine Meinung: Da dies unterdessen ein Klassiker ist, werde ich keine Bewertung riskieren, möchte aber festhalten, dass er mich fasziniert hat

Dieses Buch wurde in Deutschland zunächst unter dem Titel „Elea“ veröffentlicht und ist unter diesem Titel auch noch zu finden, wurde aber dann neu übersetzt und von dem Knaur-Verlag unter dem Titel „Die Fremde aus dem Eis: Eine Liebesgeschichte“ neu verlegt.

Nun werde ich also diesen wahren Klassiker der Science-Fiction (den man aber auch als Liebesgeschichte einordnen kann und wohl auch sollte) rezensieren, ein Buch, das jeder gelesen hat – oder gelesen haben sollte – ein Buch, das ich selbst dreimal gelesen habe, in unterschiedlichen Stadien meines Lebens.

Für mich ist dies eine unglaubliche Liebesgeschichte, eine Liebe die die Jahrhunderte durchquert, bei weitem kraftvoller als die des Romeo und der Julia.

Der Plot:

Während einer Polar-Expedition entdecken französische Wissenschaftler etwas ganz Erstaunliches: Sie finden, tief im ewigen Eis verborgen, einen Mann und eine Frau, tiefgefroren, in einen künstlichen Schlaf versetzt und von einer eigenartigen Sphäre aus Gold geschützt.

Es gelingt ihnen,  die Frau zu wecken. Elea, so ist ihr Name, ist von einer unglaublichen Schönheit. Sie erzählt ihnen ihr tragisches Schicksal, erlebt erneut ihre schmerzhaften Erinnerungen, den Verlust ihrer Liebe, des Mannes den sie Jahrtausende hinter sich gelassen hat, Païkan, aber auch das Ende der Welt – das Ende der Welt so wie diese damals war, eine gut strukturierte und moderne Welt.  

In dieser elt, die Elea vor Minuten verlassen hat – so scheint es ihr – oder auch vor Jahrtausenden – so scheint es uns – war alles einfach und klar, das Glück war wirklich erreichbar. Doch die Menschen sind nur Menschen, und diese wunderbare Welt wurde zerstört…

Ja, und weiter?

„Die Fremde aus dem Eis“ führt uns in eine imaginäre Vergangenheit unseres kleinen blauen Planeten, eine Vergangenheit die versank um der Welt, wie wir sie kennen, Platz zu lassen: Kalt und feindselig. Diese Idee ist sicher nicht neu (und war es auch 1968 nicht, als dieses Buch zum ersten Mal in seiner Originalfassung erschien), aber die Ausführung ist einfach wundervoll, mit seiner so ergreifenden Liebesgeschichte die einem eine Gänsehaut gibt.

Man wird von dem Realismus der Erzählung beeindruckt, der uns daran erinnert, dass die Menschheit immer wieder durch einfache Dummheit das Schöne und Wertvolle zerstört.

Was diesen Roman zu einer Säule macht, zu einem Buch das man wenigstens einmal gelesen haben sollte, das ist die unglaubliche Fantasie des Autoren. Er vermag es, uns eine plausible Science-Fiction-Geschichte zu erzählen, eine fast wahrscheinliche, versunkene Vergangenheit. Wenn man in den Abendhimmel blickt, so kann man sich dann doch fragen, ob das alles schließlich nicht doch der Wahrheit entsprechen könnte.

Die Geschichte der Elea bleibt bis zu der allerletzten Seite ergreifend.

Viele sagen, dass es sich hier um ein Jugendbuch hält und es stimmt tatsächlich, dass der Schreibstil recht einfach und jedem zugänglich ist. Dennoch ist dies ein Buch, welches mich trotz seiner Fehler beeindruckt hat und an welches ich mich noch heute erinnere. Dies ist ein Buch, das man nicht vergisst, sein man nun jung oder nicht.

Ich möchte dennoch die kleinen Makel erwähnen, die dieser Roman aufweist:

Der erste Teil von „Die Fremde aus dem Eis“ kann einem sehr lang erscheinen, die Zeit in der die Wissenschaftler im Eis graben bis sie ihr Ziel erreichen, doch dies ermöglicht es dem Leser sich in die Wissenschaftler hineinzuversetzen, die in dieser eisigen Atmosphäre arbeiten. Der Kontrast mit der farbenfrohen Erzählung Eleas ist umso ersichtlicher.

Ich hatte diesen Roman einem Freund geliehen, der hier eben aufgegeben hat, bevor alles wirklich beginnt. Er hatte Unrecht!

Ebenso schienen mir die Gefühle, die einer der Entdecker für Elea entwickelt, unnötig. Aber gut, die Perfektion ist nicht (mehr) von dieser Welt….

Dieser Roman ist also ein zu lesender „Klassiker“, egal wie alt der Leser ist. Jedem Alter wird sich wohl einfach, je nach der eigenen Lebenserfahrung, ein anderer Aspekt der Geschichte offenbaren.

 

 

 

 

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