Sebastian Fitzek – Der Seelenbrecher

Originaltitel: Der Seelenbrecher

Meine Bewertung: 9/10

Brillant! Erschreckend! Ein großartiger Fitzek.

Ich habe den „Seelenbrecher“ an einem späten Freitagnachmittag aufgeschlagen und mich auf eine gute Lektüre für das Wochenende gefreut… konnte das Buch dann aber nicht mehr aus den Händen legen, bis ich es kurz nach Mitternacht fertig gelesen hatte.

Eine kleine Warnung, dieser Roman ist teilweise recht hart, aber die brutalen Bilder sind ein Teil der kranken Fantasien der Romanfiguren…oder auch nicht…

Dieser Roman mischt geschickt Psychologie und ein abwegiges Unterbewusstsein mit der Anwesenheit eines furchteinflößenden Serienmörders und das in einem von der Außenwelt abgeschlossenen Ort. Das Ergebnis ist so packend, dass wir uns begeistert in die Tiefen des menschlichen Geistes stürzen.

 

Ein erschreckendes Szenario:

Ein Professor leitet ein Experiment, in dem er freiwilligen Studenten eine medizinische Akte vorlegt die diese durcharbeiten sollen: Es handelt sich um den Fall des Caspar, einem Amnesie-Patienten der in einer spezialisierten Klinik Berlins eingewiesen wurde und verzweifelt darum kämpft sein Gedächtnis wieder zu finden.   

Eines Abends, als gerade ein Schneesturm wütet, bringt ein Krankenwagen einen neuen Kranken, einen Mann, der sich selbst ein Messer in den Hals gestoßen hat. Doch der Schneesturm wird immer stärker und schon bald können weder Personal noch Patienten die Klinik Teufelsberg mehr verlassen. Sie sind alle gemeinsam eingeschlossen.

Was ja nicht so schlimm wäre, doch schon bald stellt sich heraus, dass unter ihnen derjenige weilt, den die Medien den „Seelenbrecher“ genannt haben, einen der gesuchtesten Kriminellen dessen Taten zurzeit ganz Deutschland erschüttern.

Die Presse hat ihm diesen Spitznamen gegeben, denn seine Taten sind beinahe noch erschreckender als die eines klassischen Massenmörders – er scheint die Seelen seiner Opfer zu brechen: Er entführt junge Frauen, die man einige Zeit später in einem fast katatonischen Zustand wiederfindet. Sie weisen keinerlei Verletzung vor, doch die Opfer sind nur noch Schatten ihrer selbst, leere Schalen die doch noch atmen und leben. Das einzige Indiz das die Polizei hat ist ein kleines Stück Papier welches der Täter jedes Mal zwischen die verkrampften Finger seiner Opfer schiebt, ein kleines Papier auf dem ein Rätsel steht…

Und dieser „Seelenbrecher“ befindet sich nun hier, sie sind mit ihm in diesem Asyl eingeschlossen! Am Abend des Schneesturms fällt ihm zunächst eine junge Psychiaterin zum Opfer, eben jene die sich um den Fall Caspar kümmerte.

Caspar misstraut allen, den anderen Kranken, dem Personal, den Fahrern der Krankenwagen die eben eingetroffen sind, dem Patienten, den sie gebracht haben, niemand ist unverdächtig – ja nicht einmal er selbst, denn er kennt sich nicht mehr seit er seine Erinnerung verloren hat! Er kann damit nicht völlig ausschließen, selbst irgendwie mit alledem in Verbindung zu stehen, die wenigen Erinnerungsfetzen die ihm immer wieder kommen scheinen klar zu zeigen, dass seine Vergangenheit schmerzhaft war und sicher seinen Geist ins Wanken bringen konnte…

Als die Nacht so fortschreitet vermag es der Seelenbrecher geschickt, in jeder Ecke oder jedem Gang, in jedem Moment die Patienten oder das Personal zu isolieren…

 

Das Unbekannte vor bekanntem Hintergrund

Die Kulissen dieses Buches sind nicht neu: Ein von der Außenwelt abgeschnittenes Asyl, in dessen Mauern sich ein verrückter Mörder aufhält und dort tötet – doch es geht noch viel weiter.

Bereiten Sie sich auf eine bodenlose Furcht vor, denn Sebastian Fitzek nutzt die tiefsten Abgründe des Geistes, er bedient sich jeder Schwäche des menschlichen Hirns, der seltensten psychologischen Störungen um langsam aber sicher eine kalte Angst in uns zum Leben zu erwecken die uns befürchten lässt, selbst zu möglichen Opfern zu werden.

Wenn die klassischen Thriller sich oftmals um den Verrückten drehen, der seine Opfer körperlich angreift, so sehen wir uns hier einem intelligenten, tückischen Täter gegenüber, der sich an dem Geist seiner Opfer vergreift, der diese so tief verletzt, sie in ihren schlimmsten Ängsten einschließt, dass man nur vor Schreck erzittern kann.

Und wie dies auch in „die Therapie“ der Fall war, so verdächtigt man auch hier erst den einen, dann den anderen, wir erstellen Hypothesen die in alle Richtungen gehen können, niemand entgeht unseren Zweifeln. Erst kurz vor der „Enthüllung“ begreifen wir die schreckliche Wahrheit, wir wollen noch laut „Achtung, es ist …..“ rufen, aber man hört uns natürlich nicht!

Ein intelligenter, beunruhigender Roman, der manchmal recht hart ist aber der uns bis zum Schluss in Atem hält.

Wenn Ihnen „die Therapie“ gefallen hat (hier der Link zu meinem Kommentar: http://www.edenlit.reviews/sebastian-fitzek-die-therapie/), dann wird Ihnen auch „der Seelenbrecher“ gefallen!

 

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