Iny Lorentz – Die Kastellanin (Die Wanderhure, Band 2)

Originaltitel: Die Kastellanin (Die Wanderhure, Band 2)

Mon appréciation: 7/10

Dieser zweite Band der „Saga“ der Wanderhure hat mich noch mehr mitgerissen als der erste und ich kann allen, die diese Art von „leichtlesigen“ (ein neues Wort!?) historischen Roman mögen, dazu raten.

Und dennoch gebe ich genau dieselbe Note!

Die Erklärung ist sehr einfach – aber um sie zu kennen, müssen Sie noch ein wenig warten und meinen Kommentar bis zum Ende durchlesen, so bleibt noch ein wenig Spannung ….

Wie dem auch sein, es handelt sich hier um eine historische Reihe die dieses gewisse „Etwas“ besitzt und die uns mit ihrer einfachen Schrift in das mittelalterliche Deutschland führt, so dass es schwer ist, das Buch aus der Hand zu legen bevor man nicht die letzte Seite gelesen hat.

Der Beweis ist, dass ich gleich nach der Lektüre der letzten von gut über 500 Seiten darauf lauere, den nächsten Band zu lesen („Das Vermächtnis der Wanderhure“)

Aber kommen wir nun zum Punkt – was kann ich zu diesem Buch sagen?

 

Der Plot:

Wir schreiben das Jahr 1420 in Deutschland, zehn Jahre sind seit den Ereignissen des ersten Bandes („Die Wanderhure“) verstrichen.

Nachdem Marie dazu gezwungen wurde ihren Kindheitsfreund Michel Adler zu heiraten, hat sie gelernt diesen von Herzen zu lieben, und ihre Ehe ist sehr glücklich. Sie haben sich in Rheinsobern niedergelassen und die Zukunft scheint ihnen gut gesonnen. 

Doch der Krieg tobt in Böhmen und auf Aufruf des Kaisers Sigismund muss Michel zu den Waffen greifen um die Krone zu verteidigen.

Schon bald macht er durch seinen Mut und seinen Scharfsinn auf sich aufmerksam und kann sogar das Leben des Kaisers selbst retten. Zur Belohnung erhält er den Ritterschlag zum Reichsritter des Heiligen Römischen Reiches von Deutschland, womit er alleine der Autorität des Kaisers untersteht und damit in Rang alle anderen Ritter übertrifft.

Dieser schnelle Aufstieg missfällt den Adeligen die ihm den Erfolg neiden, insbesondere Falko von Hettenheim der ihn mit tiefgründigem Hass verfolgt. Als er die Gelegenheit hat, lässt er Michel feige im Stich so dass dieser in die Fänge der Feinde, der Hussiten, gerät. Michel Adler verschwindet so auf einem Feldzug und wird tot erklärt …

Marie erhält die Nachricht erste einen Monat Später in ihrer Burg: Sie ist Witwe! Und das ist nicht alles, der Pfalzgraf bestimmt einen neuen Burgherren auf Rheinsobern, den Herrn von Banzenburg, der sich auch gleich auf der Burg niederlässt. Seine Frau Kunigunde von Banzenburg hofft nun, den Rittertitel Michels sowie seine Reichtümer zu erwerben, die Marie durch das Erbe zugefallen sind.

Sie versucht also, Marie dazu zu zwingen einen ihrer Cousins zu ehelichen.

Doch Marie hat schon Schlimmeres erlebt und, fest davon überzeugt, dass Michel noch lebt, begibt sie sich nun auf eine wahnsinnige Reise: Verkleidet als einfache Marketenderin folgt sie dem böhmischen Heer um ihren Ehemann wiederzufinden oder wenigstens zu Erfahren, was ihm widerfahren ist.

So teilt sie erneut das einfache Leben der nichtadeligen, und insbesondere der Marketenderinnen, welche die Soldaten an die Front und auf all deren Feldzügen begleiten. Wie auch ihre neuen Freundinnen ist sie allen Gefahren ausgesetzt.

 

Ein spannender Feldzug!

Und ja, ich fand es wirklich faszinierend Marie auf dieses neue Abenteuer zu begleiten, ich denke, dass mir dieser Band auch weit besser gefallen hat als der erste. Maries Persönlichkeit ist nun gefestigt, sie findet Freundinnen unter den Marketenderinnen, sie versucht so gut es ihr möglich ist, den Soldaten zu folgen, sie debattiert mit den Mächtigen, welche aber nicht wissen dürfen, wer sie wirklich ist, sie wird auch eine Gefangennahme durch die Hussiten überleben müssen. Kein Zweifel, Marie kommt nicht zur Ruhe!

Der Anfang des Buches verdient eine gute 8/10, zumindest was dieses „gewisse Etwas“ der Literatur und Maries Abenteuer angeht, welches wirklich fesselnd ist.

Ein weiterer Pluspunkt ist, dass wir dieses Mal nicht nur die Wanderhuren beobachten, sondern auch die Möglichkeit haben uns in die Adeligen, die Soldaten, die gegnerischen Truppen zu versetzten, kurz, der Leser hat einen sehr viel breiteren Blick über die Geschichte, was mir nun wirklich gefallen hat.

Einige Szenen sind wieder recht brutal und die Frauen werden nicht geschont, man erkennt wieder, dass diese Zeit sehr hart war wenn man dem Adel angehörte oder das Pech hatte, eine Frau zu sein.

Kurz, ein sehr lesenswertes Buch.

Aber warum habe ich dann keine bessere Note gegeben, wenn ich diesen Roman doch so gut fand?

 

Ganz einfach weil der Plot und die Hauptfiguren einen riesigen Fehler haben, oder sogar zwei:

  • Der Roman weist fast karikaturartige Romanfiguren auf

Die „Bösen“, sei es nun Falko von Hettenheim, die Hussiten oder auch Kunigunde von Banzenheim, sind dermaßen „böse“, dass sie lächerlich und unglaubhaft werden.

Nehmen wir einmal Kunigunde: Sie erreicht die Burg, auf der Marie, die vorherige Kastellanin und Witwe eines Reichritters lebt, welche also einen sehr viel besseren Stand im Adel besetzt. Und dennoch, von Neid und Gier getrieben wird sie Marie, obwohl diese im achten Monat schwanger ist, schlechter als einen Hund behandeln und sie sogar, mitten im Winter, in ein kleines Zimmer ohne Fenster oder Heizmöglichkeit sperren. Das scheint mir dann doch übertrieben.

Auch Falko, dieser ach so niederträchtige Mann, nun, er ist eigentlich nur grausam und hinterlistig, seine Freunde sind entweder auch, wie er, „schlecht“ oder aber Männer, die gerne ihr Fähnchen nach dem Wind drehen.

Falko ist so niederträchtig, dass er eigentlich nur mit dem Ziel zu leben scheint noch Schlimmeres zu tun.

Und das sind nur zwei Nachrichten dieser „ganz weißen oder ganz schwarzen“ Romanfiguren.

Denn wenn Sie auf der einen Seite die „Bösen“ haben, so finden Sie natürlich auf der anderen Seite die „Guten“, „Tapferen“ – tja, die sind dann so unfasslich „gut“ dass es einem schnell auf die Nerven geht. Selbst Marie hätte man manchmal gerne etwas weniger „lieb“ und „altruistisch“ gesehen.

Da lobe ich mir doch die alte Eva, eine andere Marketenderin, diese ist wenigstens hässlich!

  • Eine Geschichte und ihre fadendünnen Zufälle

Zu Beginn ist alles in Ordnung, die Handlung beginnt gut geplant, etwas simpel vielleicht, aber spannend.

Doch ich muss schon sagen, das letzte Viertel zerstört vollkommen den Gesamteindruck. Die einen und anderen treffen sich „zufällig“ in den absurdesten Situationen wieder, nein das war einfach zu viel.

Der letzte Teil des Romans (den Schluss inbegriffen) wird so durch diese lächerlich zufälligen Begegnungen beeinträchtigt, diese Situationen waren teilweise fast grotesk. Ich werde hier jetzt kein Beispiel geben, um unglückliche Spoiler zu vermeiden, aber bereiten Sie sich auf ein paar Unreinlichkeiten vor.

Und dennoch muss ich ganz klar sagen, trotz dieser großen Fehler ist dieses Buch einfach gut, sogar sehr gut.

Man kann es nicht aus der Hand legen, blättert immer noch eine Seite weiter, man begeistert sich für die Romanfiguren. Der Stil ist angenehm, sehr flüssig, und im Gegensatz zum ersten Band hatte ich dieses Mal keinerlei Schwierigkeiten die verschiedenen Charaktere und deren politische Verbindungen auseinanderzuhalten.

Ein Roman, den es sich zu lesen lohnt.

Jetzt freue ich mich auf das nächste Buch: „Das Vermächtnis der Wanderhure »!

 

In der Reihe der « Wanderhure » sind bis heute (Januar 2016) erschienen:

  1. Die Wanderhure :
  2. Die Kastellanin :
  3. Das Vermächtnis der Wanderhure :
  4. Die Tochter der Wanderhure
  5. Töchter der Sünde
  6. Die List der Wanderhure

Die CHRONOLOGISCHE REIHEINFOLGE der Reihe ist allerdings etwas anders, denn der letzte Band („Die List der Wanderhure“) liegt zeitlich zwischen Band 3 (Das Vermächtnis der Wanderhure) und 4 (Die Tochter der Wanderhure).

 

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