Patricia Briggs – Rabenzauber (Teil 1)

 

Originaltitel: Raven’s Shadow

Meine Bewertung: 8,5/10

Dieses Buch beinhaltet in der deutschen Fassung zwei Romane (deren Originaltitel Raven’s Shadow und Raven’s Strike sind), die von der Autorin jedoch getrennt geschrieben und veröffentlicht wurden. Um der Originalfassung gerecht zu werden unterscheide ich daher diese in Beiträgen zu jeweils „Teil 1“ und „Teil 2“ auf, besonders da der erste Teil sich selbst trägt. Dennoch war es eine gute Idee, beide Bücher zu vereinen.

 

Der Plot:

Dieses Fantasy-Buch spielt sich in einem etwas mittelalterlichen Universum ab, in dem die Magie gefürchtet wird und das aus gutem Grund: Vor langer Zeit fand ein schrecklicher Krieg statt, als Colossae, die Stadt der Magier, einen schwarzen, also bösen Magier hervorbrachte, den „the Shadowed“, also den ‚Schatten’ nannte*, nachdem dieser dem „Stalker“*, einer unheilverbreitenden Kreatur, eine Tür geöffnet hatte.

Nach diesem Krieg wurde jener ‚Stalker’* eingesperrt, die Stadt Colossae zerstört und die überlebenden Magier haben sich über die Welt verteilt, wurden zu Reisenden, zu Travelers*.

Seit jener Zeit durchqueren diese reisenden Magier, in deren Blut die Magie weiterlebt, das Reich mit einem einzigen Ziel: Das Böse zurückzudrängen sowie es sich zeigt. Doch obwohl ihre Aufgabe es ist zu helfen, das Gefängnis des „Stalkers“ zu stützen und gut versiegelt zu halten, werden sie gefürchtet, zurückgestoßen, verfolgt. Die durch jenen Krieg ausgelöste Angst vor der Magie sitzt zu tief in den Herzen der Männer und Frauen verankert.   

Und es ist eben eine dieser reisenden Zauberer, die junge Seraph, die Tier zufällig kennenlernt.

Seraph ist erst sechzehn Jahre alt, ihr Bruder wurde gerade von ignoranten Dörflern für das, was er ist, auf einem Scheiterhaufen hingerichtet. Tier selbst, ein Bäcker, kehrt aus dem Krieg zurück. Er rettet Seraph und nimmt sie mit sich. Und entdeckt was sie in Wirklichkeit ist, nämlich eine mächtige Zauberin des Rabens.

Doch sie hat all die Ihren verloren, sie ist die letzte ihres Klans und wünscht sich nichts mehr als Frieden und Ruhe, sie möchte nicht mehr mit Tod und Zerstörung konfrontiert werden. Und so bleibt sie bei Tier.

Zwanzig Jahre vergehen, das Paar lebt in dem Dorf, in dem Tier geboren wurde und bearbeitet das Land. Sie haben drei Kinder, zwei Söhne, Jes und Lehr, und eine Tochter, Rinnie. Alle drei haben eine Gilde* (und sind also Magier-, was sehr selten ist, denn die Magie ist nicht erblich. Doch Seraph und Tier halten dies geheim, denn nichts hat sich in diesen Jahren geändert, die Magie bleibt gefährlich, die Dorfbewohner fürchten sie. Lehr und Rinne wissen selbst nicht, dass sie betroffen sind.

Doch das Böse kehrt im Dunkeln wieder und spinnt geschickt sein Netz über die Welt, so dass sich schließlich das ganze Reich in jenem gefangen findet, und das jetzt, als die Anzahl der reisenden Magier gefährlich gering geworden ist. Ist der Schatten, der „Shadowed“, etwa zurück?

Als Tier auf der Rückkehr von der Jagt entführt wird bricht Seraph mit ihren beiden älteren Söhnen auf um ihn zu suchen.

 

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mir so richtig gefallen! Was ich eigentlich nicht erwartet hatte den „The Hob’s Bargain“ von derselben Autorin hatte mich nicht richtig überzeugt. Doch hier kann man sagen, hier trifft man klar wieder auf Patricia Briggs!

Zunächst einmal die von ihr kreierte Welt: Sie ist vollständig und gut überdacht, mit ihren Traditionen, ihren Ängsten, ihrer Geschichte, ihren Schwierigkeiten. Alles wird so fein beschrieben, dass man sie sich ohne Probleme vorstellen und sich hineinversetzten kann. Man begreift schnell den Unterschied zwischen den Gilden*, den Magier, man versteht die Probleme des aktuellen Herrschers* usw. Man kann nun auch die Angst der Menschen der Magie gegenüber nachvollziehen, wie auch die Schwierigkeiten der „Travelers“*, jener reisenden Magier die helfen möchten aber verhasst sind. Nichts wird hier dem Zufall überlassen, jedes Detail, welches zunächst ohne Sinn erscheint, erklärt sich später von selbst oder erscheint in voller Wichtigkeit.

Die Charaktere, wie eigentlich alle Romanfiguren von Patricia Briggs, sind komplex, mit ihren Qualitäten und ihren Fehlern. Jede Romanfigur hat ihre Eigenheiten, seien es nun die Helden oder die zweitrangigen Charaktere. Ich stelle Ihnen hier nur die Protagonisten der Geschichte vor, aber alle anderen Figuren des Buches wirken durch ihre erstaunliche Tiefe sehr lebendig.

Wenn Sie schon andere Bücher der Autorin gelesen haben, wird Seraph sie ein wenig überraschen, denn diese ist anders als die üblichen Romanheldinnen von Patricia Briggs. Sie ist eine Frau die mit grosser Selbstkontrolle, sie ist ruhig uns redet nur mit gewählten Worten, sie kennt sich selbst und jene, die ihr nahe stehen, sehr gut. Ihre Kraft und ihr Charisma sind unleugbar und man kann sie einfach nur bewundern, denn sie hat eine schwere Bürde zu tragen. Wir sind hier weit entfernt von den üblichen Heldinnen der Autorinnen, die wilder sind, direkter aber auch zerbrechlicher.

Tier dagegen ist ein Soldat der zu viele Kriege gesehen hat und sich nun nichts mehr wünscht als in Frieden zu leben. Doch wenn er auch ruhig und nett wirkt, so ist er intelligent und gefährlich für all’ seine Feinde, und er besitzt seine eigene Magie.

Man sieht es also gleicht: Dies ist ein Paar, das einfach zu viel durchgemacht hat und sich nun Ruhe wünscht, man weiß auch, dass dies nicht der einfacher Weg für sie ist sondern dass es ihre Vernunft und Erfahrung sind, die sie zu dieser Lebenswahl geführt haben.

Vergessen wir die Kinder von Tier und Seraph nicht! Mein Lieblings-Sohn ist Jes, der dem Orden der Adler angehört. Er ist ein „Wächter“*, was bedeutet, dass er eine Art doppelte Persönlichkeit besitzt: Die Menschen, die ihm begegnen werden ihn für ein wenig langsam halten, er wirkt geistig eingeschränkt. Doch der Grund hierfür ist sehr einfach: In Zeiten des Friedens schläft die „Wächter“-Seite von Jes. Wenn jedoch eine Bedrohung erscheint, erwacht diese und dann sollten alle, die sich ihm nähern, äußerste Vorsicht wahren! Diese Dualität ist unglaublich geschickt eingeführt, man ist weit entfernt von einem Mann der sich einfach verwandelt, es ist mehr ein Gleiten im Inneren von Jes’ Persönlichkeit.

Also haben wir eine perfekte Welt die mit perfekten Romanfiguren bevölkert wurde.

Doch auch der Plot ist gut überdacht. Er führt unsere Romanhelden in das Labyrinth der Politik, in das Netz, welches von boshaften Wesen gestrickt wurde – und der Leser kann dies alles leicht verfolgen.

Ich denke, dass es viel geholfen hat die Romanhelden kennenzulernen, als sie noch jung waren, dadurch verstehen wir ihren jeweiligen Charakter, wir kennen ihre Vergangenheit voller Gewalt und lassen sie so gerne ein normales Leben erfahren; das war eine sehr gute Idee.

Diese Zeitspanne von zwanzig Jahren war ebenfalls nötig, damit die Handlung glaubhaft wirkt, denn diese Zeit hat das Böse benötigt um sich unbemerkt in der Welt zu verbreiten bevor es nun von allen Seiten aufersteht um sich über das Reich zu stürzen.

Dies ist einfach ein perfekter Roman, von der ersten bis zur letzten Seite, ich kann ihm keinen Vorwurf machen.

Nichts ist unnötig, übertrieben, die Spannung bleibt konstant.

Ein „zu lesendes“ Buch!

Dieser Roman kann unabhängig gelesen werden, er trägt sich selbst, aber es gibt ja auch den zweiten Teil, der ebenfalls in dem in Deutschland veröffentlichten Sammelband „Rabenzauber“ zu finden ist. Die beiden Bücher sind in der deutschen Ausgabe nicht getrennt erhältlich. Das trifft sich eigentlich ganz gut, dann können Sie gleich weiterlesen (auch wenn der zweite Teil ein kleines bisschen weniger gelungen ist).

 

Ein kleines « PS »:

Das Buch « Rabenzauber » hat nichts mit dem Buch « Drachenzauber » (ebenfalls von Patricia Briggs) zu tun, da gibt es keinerlei Verbindung, trotz des sehr ähnlichen Titels (Drachenzauber beinhaltet übrigens ebenfalls zwei Romane).

 

* Wie immer ist es möglich, dass ich manche Ausdrücke nicht korrekt übersetzt habe, da ich diese Bücher im Original gelesen habe. Es wäre nett, wenn Sie mir, sollte Ihnen ein solcher Fehler auffallen, mir kurz eine Nachricht senden würden, damit ich das berichtigen kann.

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